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Die Kunst des diesseitigen Trostes

ERNSTES UND UNERNSTES ÜBER DAS LACHEN

Seit dem "homerischen Gelächter" – "unermeßliches Lachen erscholl bei den seligen Göttern" (Ilias) – gehört das Lachen "als ein Affekt aus der plötzlichen Verwandlung einer gespannten Erwartung in nichts" (Immanuel Kant) zur Substanz abendländischer Kultur; obwohl der jüdisch-christliche Gott nicht lacht und es auch in der Bibel wenig zu lachen, zumindest kaum trostvolle Heiterkeit gibt. Zudem passt Lachen als Distanzierung vom Anderen wie vom eigenen Selbst nicht zu Patriarchalismus, Autoritarismus und Totalitarismus, wie sie ebenfalls den Okzident bestimmen. Krieger und Raubtiere lachen nicht oder nur schaurig. So inszeniert der fanatische, inquisitorische Mönch Jorge in Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" eine Reihe von Morden an Klosterbrüdern, damit sie nicht an die in der Bibliothek vorhandene Abhandlung des Aristoteles über die Komödie (ein Buch "mit der Kraft von tausend Skorpionen") herankommen können.
Ob Rabelais, Shakespeare, Cervantes, Goethe, Jean Paul, Gottfried Keller, Heinrich Heine, Wil-helm Busch, Thomas Mann, Erich Kästner, Günter Grass – um nur ganz wenige Namen zu nennen –, es gibt kaum einen Dichter und Schriftsteller, der sich nicht mit dem Lachen (und natürlich auch Weinen) beschäftigt hat. Es geht bei dieser Lesung nicht um Texte, die eine heitere (oder auch traurige) Stimmung evozieren; diese Mischung kennzeichnet die Struktur der Lesereihe sowieso; sondern um Texte, die sich mit dem Lachen selbst beschäftigen. "Das Besondere unseres Menschseins besteht darin, daß wir zugleich des Lachens fähige und lächerliche Wesen sind." (Montaigne)