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"Die Betten wuchsen glühend zusammen, / und drinnen wiegen sich lauter Flammen"

LIEBE FRÄNKISCH

In manchen (vor allem protestantischen) Gegenden des Frankenlandes erwartet man, wenn es um Liebe geht, keine lodernden Leuchtflammen und panischen Flötenklänge; Max Dauthendey kam eben aus dem barocken Würzburg, der "Bacchantin am Fluß". Hinter prüder Einsilbigkeit – "Lou/ä/mall/denn/roll/loo/roo/nou/lou/i/di" (Fitzgerald Kusz) – kann jedoch viel Sehnsucht stecken, die sich dann, z.B. anakreontisch, auf ein fernes Arkadien voller Wein, Weib und Gesang projiziert. So zog es August Moritz Thümmel nach zwanzig Jahren im Coburgischen Staatsdienst in die "mittäglichen Provinzen von Frankreich" (zierlich lehre der reisende Freund, meinte Friedrich Schiller, "wie es hinter dem Mieder beschaffen und unter dem Röckchen"); und der in Ansbach geborene August Graf von Platen suchte seine, vorwiegend homoerotische Liebeserfüllung in der heiteren Landschaft Italiens.
"Liebe fränkisch": der Titel führt freilich auch in die Irre. Denn Amor vincit omnia: Die Liebe besiegt und überwindet alles – auch die regionalen, ethnischen und sozialpsychischen Unterschiede. Natürlich gibt es in der Liebe typisch Fränkisches, genauso wie typisch Deutsches und typisch Italienisches, Ungarisches, Englisches, Amerikanisches, Russisches. ... Aber letztlich gibt es nur typisch Menschliches (und Allzumenschliches). Hört man die Liebestexte von Walther von der Vogelweide bis Ludwig Fels und Gisela Elsner, von Hans Sachs bis Leonhard Frank und Hans Magnus Enzensberger, so hört man die Stimme des Menschen in seiner Lust und in seinem Leid, voller Sehnsucht, voller Gier und voller Glück. Symphonie in Dur und Moll. Cantus firmus mit Diskant. Oft auch nur eine Bagatelle.