Es gibt wenige Städte, die auf so eindringliche Weise die Schnittflächen verschiedener Kulturen wie deren Gegensätze und Gemeinsamkeiten deutlich machen. Von der Frühzeit an war in Prag slawisches, jüdisches und deutsches Kulturgut vermischt; und dann vor allem seit dem Mittelalter, da die Moldaustadt zur Residenz Karls IV. wurde. „Prag ist ein Zauber, etwas, was einen bindet und hält und immer wieder hierher zurückzieht. Man kann nicht vergessen“, schrieb der „rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch. Dabei hatte er besonders die literarische Atmosphäre der Stadt, etwa mit Rainer Maria Rilke, Franz Werfel, Franz Kafka und Max Brod, im Auge. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, priesen zudem die Prag-Besucher das „goldene Prag“, das „Rom des Nordens“, das „Paris des Ostens“, den „schönsten Edelstein in der Krone Böhmens“ – um nur ein paar der enthusiastischen Bezeichnungen der Stadt zu erwähnen. „Ganz Praha ist ein Goldnetz von Gedichten“, schwärmte Detlev von Liliencron. Freilich war Prag auch Topos für Geheimnisvolles, Unheimliches, Gefährliches – etwa verkörpert in der Figur des mystisch-mythischen Golem.
In bunter, gegensätzlicher Folge entwirft die Lesung eine Topografie dieser Kultur-Hauptstadt Europas und der Welt, in der, um noch das Gebiet der Musik zu erwähnen, Mozart erstmals überschwänglich gefeiert wurde und in der Carl Maria von Weber als Kapellmeister wirkte.